Nicht: es wird sich bedient, es ist sich zu bedienen, sondern: man bedient sich, man muss sich bedienen

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 116 - 116

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Unsicherheit
Text

Ebenso falsch, freilich fast noch verbreiteter ist der passivische Gebrauch des reflexiven Verbums auch in anderen Formen: Es wurde sich erst gesetzt, als der Fürst das Zeichen gab. Es muß sich noch geduldet werden bis —; und bei G. Keller: ob er ein Schwänzchen des Glückes mitgebracht hatte, woran sich klüglich zu halten sei, sowie: Es hieß, der Genuß der günstigen Stunde sei sich zu gönnen. Kein Wunder, wenn man dann in dem Erlasse eines österreichischen Justizministers liest: daß sich im innern Dienste ausschließend der deutschen Sprache zu bedienen ist.

Ein Gelehrter wie H. Petersen bringt fertig: wenn sich nur um eine ernstliche Auseinandersetzung gemüht würde (Lit. Wschr. 26); Rud. Herzog: wonach sich doppelt und dreifach zu richten ist; und: H. Leip: worauf sich am meisten eingebildet wird. Ausdrücklich mag auch darauf hingewiesen werden, daß selbst ein dativisches sich neben dem zweiten Mittelworte eine Härte bleibt, wenn auch vielleicht keine so große: jede mit größter Kraft sich abgezwungene Besserung; Schulze hat das sich gesteckte Ziel erreicht; ebenso ein von Präpositionen abhängiges: Dazwischen gehen die eigenen mit sich getragenen Gedanken ungestört fort. Etwas anderes ist es, wenn das Reflexiv in der ersten oder zweiten Person steht, weil dieses nur auf das Subjekt des Satzes bezogen werden kann, während das der dritten auch auf das Substantiv gehen könnte, bei dem es steht und mit dem zusammen es einen abgekürzten Satz mit diesem Substantiv als Subjekt darstellt. Also während der Satz: Infolgedessen war ich genötigt, den bis dahin bei mir behaltenen Führer zu entlassen, ohne jeglichen Anstoß ist, wird ein solcher lieber vermieden: Er war genötigt, den bei sich behaltenen Führer zu entlassen//1 Daß der deutschen Sprache das Reflexiv selbst in dieser Fügung unbequem ist, zeigt sich auch in seinem Verschwinden hinter mit: dem lateinischen dimisit comites illuc secum ductos entspricht deutsch am besten: er entließ die bis dahin mitgenommenen Begleiter. Noch deutlicher zeigt eine andere allgemeinere Betrachtung, daß das Reflexiv der deutschen Sprache in anderen als Satzfügungen zuwider ist, während es in der Fügung des vollständigen Satzes immer am Platze ist, da es sich darin als Objekt auf das Subjekt zurückbezieht. Adjektive und Substantive nämlich, selbst das Substantiv des Verbs, d. h. der (substantivierte) Infinitiv bedürfen des Reflexivs nicht, um den nämlichen Begriff auszudrücken, den im Satze nur ein reflexives Verb auszudrücken vermag. Man vergegenwärtige sich nur einige solche Reihen: sich beteiligen, Beteiligung, beteiligt; sich ausleben, ausgelebt, die Auslebung des Ichs; sich hingeben, Hingabe, das Hingeben, hingebend; sich besinnen, Besinnung, besonnen; sich verirren, Verirrung, verirrt; sich verspäten, Verspätung, verspätet. Und so sagt nicht allein Schiller: Da war ein Freuen, wenn er wiederkam; und: Es muß ein furchtbares Reißen um den Almanach sein; der Plauderer über Silvesterfeiern ruft mit Wieland: zu alt zum Verlieben und Vernarren; und Rud. Huch: Sie erzählten von allem Lieben, Leiden und Freuen, und: Das war ein Beglückwünschen, Umarmen und Küssen; ein Kunstkritiker in der Tägl. Rundschau: Es ist in diesen Bildern etwas wie . . . ein Besinnen auf frühere Jahre; und: Auch das Fischerdorf V. hat teil an dem Aufraffen des Künstlers. Schon Goethe bietet nebeneinander: das Überheben der menschlichen Natur und: das überhobenste Bestreben der rein geistigen Natur des $Fußnote auf nächster Seite fortgeführt$ Menschen; G.Keller: Er führte die Herren zu einem außergewöhnlichen Gütlichtun; Otbeede: Die Heldin hatte eine ewige Krone gewonnen durch ihr tapferes, unermüdlliches Bezeigen gegen dieses Volk; Trentini: Ich muß gestehen, sagte Esther nach angem Gedulden; und W. Flex: Mein Schreiben ist wie Träumen und Erinnern, gegen das wir wehrlos sind. Für den Fehler, daß der Infinitiv mit dem Reflexiv substantiviert wird, stehn viele Beispiele unten beim substantivierten Infinitive § 271 f. Von den Eigenschaftswörtern ist es besonders befindlich, neben dem sich fälschlich erscheint: Alle sich auf dem Eise befindlichen Personen (statt alle auf dem Eise befindlichen oder allenfalls: alle sich auf dem Eise befindenden Personen) bewunderten den kühnen Musterfahrer.//.


Zweifelsfall

Zweifelsfall Importplatzhalter

Beispiel
Bezugsinstanz Keller - Gottfried, Sprache der Politik, Gelehrte, Petersen - H. (?), Leip - Hans, Literatursprache, Herzog - Rudolf, Schiller - Friedrich, Wieland - Christoph Martin, Goethe - Johann Wolfgang, Huch - Rudolf, Zeitungssprache, Sprache der Kunst, Otbeede - (?), Trentini - Albert von, Flex - Walter
Bewertung

falsch, ohne jeglichen Anstoß, zuwider ist, lieber vermieden, am Platze ist, am besten, fälschlich

Intertextueller Bezug